Finanztest deckte Datenskandal bei der Postbank auf

Die Stiftung Warentest deckte im Oktober einen Datenschutzskandal bei der Postbank auf. Demnach hat die Postbank den freien Mitarbeitern des im Jahr 2006 von der Postbank gegründeten Vertriebsunternehmens „Postbank Finanzberatung AG“ Zugang zu Kundendaten gewährt, um den Verkauf ihrer Postbank- und BHW Bauspar- Produkte zu fördern.

Damit gewährte die Postbank ihren ca. 4000 freien Handelsvertretern Zugang zu den Girokonten ihrer Kunden und einen detaillierten Einblick in die Unternehmensdatenbank. Damit waren für die freien Vertreter Informationen über den aktuellen Kontostand und über die Kontoumsätze der letzten 100 Tage abrufbar. So konnten Sie bspw. Rückschlüsse auf das monatliche Einkommen des Kunden oder auf vorhandene Versicherungen ziehen bzw. auf hohe Geldeingänge gezielt mit dem Angebot von Geldanlageprodukten reagieren. Außerdem hatten die freien Handelsvertreter Zugang zu Informationen wie Privatadresse, Telefon, Familienstand, Kinder, Berufsstand oder Anstellungsverhältnis des betreffenden Kunden.

Datenweitergabe von Postbankkunden war rechtswidrig
Laut der Einschätzung der Datenschutzbehörde Nordrhein-Westfalen und der Stiftung Warentest ist die von der Postbank praktizierte Datenweitergabe rechtswidrig.
Besonders eklatant ist die Datenweitergabe von Postbankkunden an das Vertriebsunternehmen in den Fällen, in denen die Kunden einer Weitergabe explizit nicht zugestimmt hatten.
Etwa die Hälfte der Postbank-Kunden hatte mit der Eröffnung eines Girokontos allerdings der Weitergabe ihrer Daten per Einwilligungsklausel zugestimmt. Aber selbst in diesen Fällen liegt nach Einschätzung der Datenschutzbehörde eine Datenschutzrechtsverletzung vor. Tatsächlich erlaubt ist in dem Fall nur die Weitergabe von Informationen wie Personengruppe, Berufsstand, Name, Titel, akademische Grad, Anschrift und Geburtsjahr.

Datenschutzskandale in der Öffentlichkeit
Die Datenschutzskandale in der letzten Zeit häufen sich. Als Verbraucher sollte man daher seine Rechte kennen. Der § 34 „Auskunft an den Betroffenen“ (BDSG) wurde mit der Datenschutz-Novelle 1 überarbeitet und die Rechte der Betroffenen in Bezug auf Scoringverfahren gestärkt.

Das allgemeine Recht auf Auskunft wurde durch die Novelle 1 nicht verändert. Der Betroffene hat somit ein Recht auf Auskunft über die zu seiner Person gespeicherten Daten, über die Herkunft der Daten, über den Zweck der Speicherung und über den Empfänger, an den die Daten weitergegeben werden. Außerdem kann er jederzeit der Weitergabe seiner Daten an Dritte widersprechen, sofern er vormals eine Einwilligungserklärung abgegeben hat.

Vorsätzliche oder unwissentliche Datenschutzrechtsverletzungen von Unternehmen finden seit einiger Zeit verstärkt Beachtung in den Medien und in der öffentlichen Diskussion. Meldungen über Datenpannen, Datenmissbrauch oder illegale Überwachung von Mitarbeitern wechseln sich ab. Das „Projekt Datenschutz“ stellt eine Informationsplattform im Web bereit, die die Datenschutzpannen der letzten drei Jahre auflistet.
Das Projekt wird von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen geführt. procado übernimmt für die Richtigkeit der Angaben keine Gewähr.

Quellen:
www.test.de
www.surfer-haben-rechte.de