Europäischer Monat der Cybersicherheit: Nur 45 Prozent der Beschäftigten werden regelmäßig geschult

Was eine Security Awareness Schulung leistet, und was sie nicht ist
Security Awareness bezeichnet die Fähigkeit eurer Beschäftigten, einen Angriffsversuch im Arbeitsalltag zu erkennen, richtig zu reagieren und den Vorfall zu melden, bevor Schaden entsteht. Eine Schulung dazu ist kein Vortrag über Viren, sondern ein wiederkehrendes Training an den Situationen, die bei euch tatsächlich vorkommen: die Rechnung im Anhang, der Anruf aus der angeblichen Buchhaltung, die Aufforderung zum schnellen Login, der Befehl, den jemand selbst ins Terminal eintippen soll.
Dreierlei ist damit nicht gemeint. Erstens ist die einmalige Unterschrift unter eine IT-Richtlinie bei der Einstellung keine Schulung, sondern eine Kenntnisnahme. Zweitens ist eine Phishing-Simulation allein noch kein Training, denn sie misst nur den Zustand und verändert ihn nicht, solange auf die Klickrate kein Lernangebot folgt. Drittens ersetzt Awareness keine Technik. Mehrfaktor-Anmeldung, aktuelle Systeme und eine saubere Berechtigungsvergabe bleiben Pflicht, Awareness senkt die Zahl der Fälle, in denen diese Schutzschichten überhaupt geprüft werden.
Die Abgrenzung ist nicht akademisch. Aufsichtsbehörden und Prüfer*innen fragen inzwischen nach Turnus, Inhalten und Nachweis. Eine Unterschrift von vor vier Jahren beantwortet keine dieser drei Fragen.
Wie verbreitet die Lücke ist
ENISA hat am 30. September 2026 zum Start des Aktionsmonats Zahlen zur Lage in den Belegschaften veröffentlicht. 74 Prozent der befragten Beschäftigten haben innerhalb von sechs Monaten verdächtige Mails, Nachrichten oder Links erhalten, 39 Prozent berichten ausdrücklich von Phishing. Der Angriffsversuch ist für drei von vier Arbeitsplätzen also Alltag. Dagegen stehen die 45 Prozent, die angeben, dass ihre Organisation sie regelmäßig auf dem aktuellen Stand hält.
Interessanter als die Lücke selbst ist ihre Richtung. 85 Prozent der Beschäftigten wollen ihre Kenntnisse verbessern, die Bereitschaft fehlt also nicht. Als Hürden nennen 26 Prozent fehlende Zeit und 16 Prozent die Kosten. Beides sind Organisationsfragen und keine Einstellungsprobleme, sie liegen damit auf dem Tisch der Geschäftsführung. Wer Schulung als Haltungsfrage behandelt, löst das falsche Problem.
Dass es dabei nicht um Kleinbeträge geht, zeigt die Studie Wirtschaftsschutz 2026, die Bitkom und das Bundesamt für Verfassungsschutz am 26. August 2026 vorgestellt haben. Sie beziffert den jährlichen Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Cyberangriffe, Sabotage und Spionage auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro. Der Europäische Monat der Cybersicherheit läuft seit 2012 jeden Oktober und ist der naheliegende Anlass, die eigene Schulungsplanung einmal anzusehen, auch wenn der Anlass natürlich nicht von der Pflicht abhängt.
Fünf Risiken, wenn Awareness liegen bleibt
1. Der Angriff beginnt im Postfach, nicht an der Firewall
Wenn 74 Prozent der Arbeitsplätze regelmäßig Kontakt mit verdächtigen Nachrichten haben, entscheidet sich der Verlauf eines Angriffs in den ersten Sekunden am Bildschirm. Technik filtert einen großen Teil weg, der Rest kommt an, weil er gut gemacht ist. Ohne Training fehlt dann nicht nur das Erkennen, sondern vor allem der Meldeweg. Ein Vorfall, den niemand meldet, wird nicht abgewehrt, sondern nur später entdeckt.
2. Datenschutz: Schulung gehört zu den Maßnahmen nach Artikel 32 DSGVO
Artikel 32 DSGVO verlangt geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, und Schulung ist eine der organisatorischen. Wie konkret Aufsichtsbehörden dabei hinsehen, zeigt eine Entscheidung der französischen Aufsicht CNIL vom 3. September 2026. Sie verhängte 500.000 Euro gegen ein Krankenhaus, nachdem Daten von 524.867 Patient*innen abgeflossen waren. Gerügt wurden unter anderem eine fehlende Mehrfaktor-Anmeldung für externe Zugänge und eine Berechtigungsvergabe, die einem einzigen übernommenen Konto den Blick auf alle Daten erlaubte. Der Fall ist eine Erinnerung daran, dass Prüfungen die tatsächlichen Abläufe betreffen und nicht die Ordnerstruktur.
3. Regulatorik: NIS-2 nennt Schulungen ausdrücklich
Das BSI-Gesetz führt in § 30 Absatz 2 die Risikomanagementmaßnahmen auf, die besonders wichtige und wichtige Einrichtungen umsetzen müssen. Unter Nummer 7 stehen grundlegende Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen im Bereich der Sicherheit in der Informationstechnik, unter Nummer 10 die Mehrfaktor-Anmeldung. Awareness ist in diesem Rahmen also keine freiwillige Zugabe, sondern ein benannter Baustein. Wer unter NIS-2 fällt, braucht dafür eine Planung, die prüfbar ist, und wer nicht darunter fällt, bekommt mit derselben Liste einen brauchbaren Maßstab.
4. Haftung der Geschäftsführung
§ 38 BSIG verpflichtet die Geschäftsleitungen persönlich. Sie müssen die Risikomanagementmaßnahmen umsetzen, ihre Umsetzung überwachen und regelmäßig selbst an Schulungen teilnehmen, um die Lage und ihre Folgen für die eigenen Dienste beurteilen zu können. Wer diese Pflichten fahrlässig oder vorsätzlich verletzt, haftet der eigenen Einrichtung für den entstandenen Schaden nach den Regeln der jeweiligen Rechtsform. Das BSI hat dazu am 17. April 2026 eine Handreichung zu Geschäftsleitungsschulungen veröffentlicht. Für euch heißt das praktisch: die Schulung der Belegschaft ohne die eigene Teilnahme deckt nur die Hälfte ab.
5. Der Schaden ist bezifferbar, das Budget für Schulung auch
211 bis 270,8 Milliarden Euro Schaden pro Jahr für die deutsche Wirtschaft, so die Zahl von Bitkom und Verfassungsschutz vom 26. August 2026. Diese Summe verteilt sich auf einzelne Unternehmen, in denen Produktion stillsteht, Kund*innen informiert werden müssen und Jurist*innen beschäftigt sind. Gegen diese Größenordnung stehen die 16 Prozent der Beschäftigten, die Kosten als Hürde für Weiterbildung nennen. Das Verhältnis beider Zahlen ist das eigentliche Argument.
So kommt Awareness in drei Schritten in den Regelbetrieb
Schritt 1: Bestand aufnehmen, ehrlich
Drei Fragen genügen für den Anfang. Wann hat wer zuletzt an welcher Schulung teilgenommen, und gibt es dazu einen Nachweis? Wohin melden Beschäftigte eine verdächtige Mail, und wie lange dauert es, bis jemand antwortet? Welche Rollen bei euch sind besonders ausgesetzt, etwa Buchhaltung, Einkauf, Assistenz und Geschäftsführung? Die Antworten ergeben die Themen, nicht ein Standardkatalog.
Schritt 2: Grundlast über E-Learning abdecken
Die Fläche gehört ins E-Learning, weil nur so alle erreicht werden, auch im Schichtbetrieb, in Teilzeit und an entfernten Standorten. Kurze Einheiten, ein fester Turnus, automatische Erinnerung und eine Teilnahmeübersicht, die ihr auf Nachfrage vorlegen könnt. Damit sind die 26 Prozent, die fehlende Zeit als Hürde nennen, zuerst adressiert.
Schritt 3: Vertiefen, üben und nachweisen
Auf die Grundlast kommen Webinare und Präsenztermine für die ausgesetzten Rollen, die Geschäftsleitungsschulung nach § 38 BSIG und eine Übung, in der der Meldeweg einmal wirklich benutzt wird. Danach dokumentiert ihr Turnus, Inhalte und Teilnahme an einer Stelle. Dieser Nachweis ist das, was im Prüfungsfall zählt.
Was wir dabei für euch übernehmen
Die procado Akademie deckt die drei Schritte als zusammenhängendes Angebot ab. Für die Fläche nutzt ihr unser E-Learning Informationssicherheit, für die datenschutzrechtliche Seite die Datenschutzschulungen, jeweils mit Teilnahmeübersicht für den Nachweis. Für die Vertiefung kommen unsere Webinare zur Informationssicherheit dazu, bei Bedarf auch als Präsenzschulung bei euch im Haus.
Wenn hinter der Schulungsfrage eine Pflicht steht, ordnen wir sie mit ein. Zur Einordnung, ob und wie ihr betroffen seid, hilft unsere Seite zur NIS-2-Compliance, für die laufende Arbeit am Managementsystem die Informationssicherheit und bei fehlender eigener Kapazität der externe Informationssicherheitsbeauftragte. Dass der Meldeweg im Ernstfall trägt, prüfen wir mit euch in einer Notfallübung.
Fazit
Das Motto des Aktionsmonats stellt den Menschen als stärkste Schicht dar, und die Zahlen geben dieser Formulierung recht. Die Bereitschaft ist mit 85 Prozent vorhanden, was fehlt, ist das Angebot. Eine Security Awareness Schulung ist damit die seltene Maßnahme, die rechtlich gefordert, betriebswirtschaftlich günstig und bei den Beschäftigten erwünscht ist. Dass sie in mehr als der Hälfte der Organisationen trotzdem nicht regelmäßig stattfindet, ist eine Entscheidung und kein Schicksal. Fangt mit den drei Fragen aus Schritt 1 an, der Rest ergibt sich daraus.
Ihr wollt wissen, wo euer Schulungsstand gerade steht?
Wir sehen uns mit euch den Turnus, die Inhalte und den Nachweis an und sagen euch, was für euren Betrieb reicht und was nicht.
Häufige Fragen zur Security Awareness Schulung
Wie oft muss eine Security Awareness Schulung stattfinden?
Gilt die Schulungspflicht aus NIS-2 auch für kleine Unternehmen?
Reicht E-Learning aus, oder braucht es Präsenzschulungen?
Muss die Geschäftsführung selbst an einer Schulung teilnehmen?
Wie weisen wir die Teilnahme im Prüfungsfall nach?
Weitere Links und Hinweise
- procado Akademie, E-Learning, Webinare und Präsenzschulungen im Überblick
- E-Learning Informationssicherheit, die Grundlast für alle Beschäftigten
- Webinare zur Informationssicherheit, Vertiefung für ausgesetzte Rollen
- NIS-2-Compliance, Einordnung der Betroffenheit und der Pflichten
- Kontakt, kurzes Gespräch zum Schulungsstand
Externe Quelle: ENISA, Cybersecurity Month @ work: Employees‘ skills under the looking glass, Meldung vom 30. September 2026. Weitere Zahlen aus der Studie Wirtschaftsschutz 2026 von Bitkom und Bundesamt für Verfassungsschutz vom 26. August 2026 sowie der Sanktionsentscheidung der CNIL vom 3. September 2026.

