Geheimes Dokument: Will das BKA schon 2017 WhatsApp & Co. hacken?

Wie aus einem von netzpolitik.org. geleakten Dokument hervorgeht, geht man beim Bundeskriminalamt (BKA) offenbar davon aus, noch 2017 einen Staatstrojaner einsatzbereit zu haben, der Smartphones hacken und Messenger-Nachrichten mitlesen kann. Damit wäre der Trojaner deutlich mächtiger als sein Vorgänger.

Erst im Juni hatte der Bundestag den Einsatz von Staatstrojanern massiv ausgeweitet (wir berichteten). Bisher durfte das BKA Geräte hacken, um internationalen Terrorismus zu verhindern. Durch die verfassungsrechtlich umstrittene Gesetzesänderung darf die Polizei immer dann in Geräte eindringen, wenn auch eine Telefonüberwachung rechtlich zulässig ist – also schon bei im Vergleich zur Terrorabwehr eher „harmlosen“ Straftaten. Zu diesem Zweck rüsten die Behörden ihre Spionage-Software weiter auf.

Drittes geheimes Dokument geleakt
Zwar berichtet das Innenministerium intern regelmäßig über den Stand der Entwicklung der Staatstrojaner. Da es sich dabei aber um „nur für den Dienstgebrauch“ eingestufte Verschlusssachen handelt, ist darüber öffentlich wenig bekannt.

Netzpolitik.org, das Blog des Netzaktivisten und Journalisten Markus Beckedahl, hat das geändert. Nachdem schon zwei dieser geheimen Berichte auf der Plattform veröffentlicht wurden, folgt nun das dritte.

Dem Bericht zufolge hat die Entwicklung des Staatstrojaners 2.0 schon 2016 begonnen und soll nach aktueller Planung in 2017 abgeschlossen werden (einschließlich Softwareprüfung und betrieblicher Freigabe). Anders als mit Version 1.0 soll damit nicht mehr nur noch Skype unter Windows überwacht werden können, sondern auch Messenger wie z.B. WhatsApp.

BKA setzt weiter auf umstrittenen Trojaner „FinSpy“
Wie aus dem geleakten Dokument laut netzpolitik hervorgeht, setzt das das BKA parallel zur selbst entwickelten Software weiter auf die viel kritisierte kommerziell verfügbare Software „FinSpy“. Das geschehe „zum Zwecke der Redundanz“, also z.B. für den Fall, dass der eigene Trojaner auffliegt.

Die umstritte Spionage-Software kann laut netzpolitik.org mehr, als das Gesetz erlaubt. Aus diesem Grund setzt das BKA die vom Unternehmen Gamma entwickelte Software bis heute nicht ein, obwohl es laut Medienberichten schon vor fünf Jahren 150.000 Euro dafür bezahlt hat. Der Hersteller habe die Software schon drei mal überarbeitet, die neuste Version werde aber noch immer auf Rechtmäßigkeit geprüft.

„FinSpy“ geriet schon mehrfach in den Fokus der Öffentlichkeit. Laut heise online wurde sie in Bahrain eingesetzt, um Oppositionelle auszuspionieren.  Der Entwickler Gamma selbst hat den den Verkauf der Software an totalitäre Regimes dagegen stets verneint. (fl)

Quellen:

netzpolitik.org vom 20.07.2017: Geheimes Dokument: Das BKA will schon dieses Jahr Messenger-Apps wie WhatsApp hacken

Heise vom 21.07.2017: BKA will mächtigeren Staatstrojaner angeblich noch 2017 einsatzbereit haben